Geschichte

​"Ich genehmige die Errichtung einer Klinik für Syphilis und Hautkrankheiten an der Universität in Graz und ernenne den Direktor des dortigen landschaftlichen Krankenhauses, Privatdozent Dr. Eduard Lipp, zum außerordentlichen Professor für Hautkrankheiten (Dermatologie) an der genannten Universität mit der Verpflichtung auch über Syphilis zu lesen und zwar mit dem Jahresgehalt von 1000 Gulden und der gesetzlichen Aktivitätszulage."
So lautet die Allerhöchste Entschließung seiner apostolischen Majestät, Franz Joseph I, verfasst in Budapest, am 7. Dezember 1873 Originaldokument. Originaldokument, Kaiser Franz Joseph I



 

 

 


Die neugegründete Hautklinik befand sich im Verband des alten allgemeinen Krankenhauses in der Paulustorgasse, im Gebäude der heutigen Bundespolizeidirektion. Der neuernannte Klinikvorstand Eduard Lipp engagierte sich über die Interessen seiner eigenen Klinik hinaus für die Dermatologie: Zusammen mit Heinrich Auspitz und Filipp Joseph Pick war er 1869 an der Gründung des ersten deutschsprachigen Fachjournals beteiligt gewesen. Außerdem fand er sich unter den Gründungsvätern der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 1888/89.



Mit Adolf Jarisch als Vorstand trat die Grazer Hautklinik 1892 in eine wissenschaftlich ertragreiche Epoche ein. Jarisch, der letzte Schüler des berühmten Ferdinand Hebra, des Gründers der weltweit ersten Klinik für Dermatologie in Wien 1849, etablierte die histomorphologische Aufarbeitung von Hautbiopsien und schrieb das damals bedeutendste deutschsprachige Lehrbuch für Dermatologie. In den Köpfen der Dermatologen von damals bis heute verewigte er seinen Namen indem er als einer der ersten ein klinisch-therapeutisches Phänomen erkannte – die Jarisch-Herxheimersche Fieberreaktion bei Syphilis.

Von 1903 bis 1906 leitete Karl Kreibich die dermatologische Klinik. Seinen Hörern bescherte er das Lehrbuch das sich interessanterweise an der Farbe der einzelnen Dermatosen orientierte. 1906 wurde Kreibich als Nachfolger von Filipp Joseph Pick als Ordinarius an die Deutsche Dermatologische Klinik nach Prag berufen.



Hier in Graz wurde damals Rudolf Matzenauer, der Entdecker der maternalen Übertragung der Syphilis 1907 Kreibich´s Nachfolger. 1912 übersiedelte die Klinik zusammen mit den meisten anderen medizinischen Instituten von der Paulustorgasse in die neuen Jugendstilgebäude des im Pavillionsystem erbauten heutigen Landeskrankenhauses bzw. Universitäts-Klinikums in St. Leonhard.

In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg vollzog sich auch für die Grazer Kliniken die Einbindung der Universitäten in die weltanschaulichen Grundsätze des Nationalsozialismus. Der Hälfte der österreichischen Dermatologen wurde aus politischen Gründen verboten ihren Beruf auszuüben. Dies führte zu einer verheerenden Herabsetzung des wissenschaftlichen Niveaus und zur internationalen Isolation. 1936 wurde der Wiener Herbert Fuhs zum neuen Vorstand der Klinik ernannt.

1938, nachdem beide Leiter der Wiener Hautkliniken aufgrund der politischen Lage entlassen worden waren, erhielt Fuhs den Ruf an die Wiener Hautklinik. Die Leitung der verwaisten Grazer Dermatologie wurde dem Matzenauerschüler Julius Wendlberger übertragen. Syphilis sowie Impetigo und Scabies waren an der Tagesordnung des dermatologischen Routinebetriebs. Das Ende des Krieges bedeutete wieder gravierende Umwälzungen. Wendlberger und seine Mitarbeiter wurden bis zum Ende des Jahres 1945 aus dem Dienst entlassen.

1946 wurde Anton Musger zum Leiter der Grazer Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie. Er ließ den für damalige Verhältnisse modernsten Hörsaal der Fakultät errichten und schuf wichtige Neuerungen wie Laboratorien für Mykologie und Bakteriologie, modernisierte das hauseigene klinisch-chemische und das serologische Labor und die Möglichkeit zur Strahlentherapie von Hautkrankheiten. Während die Interessen der 50er-Jahre dem Haus selbst galten, vollzog sich in den 60er-Jahren eine Öffnung nach außen.



Im Jahr 1969 wurde Hans Kresbach zum Vorstand der Grazer Hautklinik. Als Schüler Musgers gelang es ihm weitere Neuerungen wie die Elektronenmikroskopie und die Lichttherapie einzuführen. Er initiierte die Einrichtung eigener Ambulanzen zur Behandlung von Melanomen und Lymphomen der Haut, für Haarerkrankungen und Akne, sowie für Phlebologie und Proktologie. Hans Kresbach, geschätzter Ausbildner fast aller heute praktizierenden steirischen Dermatologen begab sich zwei Jahre vor seinem 70. Geburtstag in den Ruhestand. Als Nachfolger wurde 1991/92 sein Schüler Helmut Kerl ernannt, dem Werner Aberer als Klinikvorstand 2008 nachfolgte. Seit Oktober 2018 ist Peter Wolf Vorstand der Grazer Hautklinik.

 

Letzte Aktualisierung: 03.10.2018